
Lakritz
Als Kind war ich besonders spitz
auf eine Tüte Salmiak-Lakritz
Später war meine Wohlfühltüte
ein Beutel mit Elektrolythe
Heute gehe ich auf Trips
mit einer Tüte Kartoffelchips
© Almut Adler
Drohnen
Wenn der Vater mit dem Sohne
erprobt er stolz seine neue Drohne
was harmlos begann als Luftaufnahme
war perspektivisch erste Sahne
Nun nutzt man sie für Krieg und Spionage
überall schwebt nun diese Neugier-Visage
Ob Don-Bas, Jemen oder in der Ukraine
als Kämpferin ist sie wehrhaft wie keine
Immerhin besser als gefallene Soldaten
wird Technik jetzt im Krieg verbraten
© Almut Adler
Verspätet
Zur Motorradbraut bin ich nicht geboren
mir pfeift der Wind zu sehr in den Ohren
Ich verabscheue es als Sozia zu frieren
und hasse motorisches Popovibrieren
da nehme ich lieber die Bundesbahn
auch wenn alle Züge verspätet fahr´n
© Almut Adler
Angekommen
Ich gab meinem Dasein einen Sinn
Ich wohne derzeit nur noch hier
Ich bin jetzt endlich wie ich bin
Ich bleibe nun treu bei mir
© Almut Adler
Explosiv
Witterst du Dinge schon vor dem Knall
dann halte ihn lieber flach den Ball
sofort ohne Lunte zu explodieren
sollte dir gar nicht erst passieren
Lasse doch lieber die Hitzköpfe streiten
die leicht entzündbare Funken verbreiten
halte dein Feuer stets unter Kontrolle
so kommt sich auch keiner in die Wolle
© Almut Adler
Ein Geschenk
Eine Freundin tat mir oft etwas schenken
sie machte mir ständig mit irgendwas Freude
nun ist sie fort und ich muss oft an sie denken
sie bekam mein Herz, damit ich es nicht vergeude
© Almut Adler
Reflektiert
Nach einem Leben Jahr um Jahr
reflektiere ich dankbar wie es war
einst Lebenslust mit viel Temperament
schreitet man nun, anstatt das man rennt
es hilft kein Jammern was man mal hatte
dafür chille ich jetzt in der Hängematte
für Schönes bin ich noch allzeit bereit
dann blühe ich auf - bei Gartenarbeit
© Almut Adler
Adios
Auf dem Schiff Freundschaft ging ich von Bord
adios - so heißt ein spanisches Abschiedswort
weil ein Treffen mit dir mich nicht mehr bewegt
weil jede meiner Zellen nur vor Aufregung bebt
weil Frieden in mir dann auf Wut überspringt
mein Kopf mich zu einer Entscheidung zwingt
verstandesgemäß ist das schwer zu fassen
doch Herz & Seele haben dich losgelassen
© Almut Adler
Noch geiler
Mein Bruder sagte oft zuhaus´
mach dir doch einen Reim daraus
Jahre später erst hab ich’s begriffen
dass reimen noch geiler ist als kiffen
© Almut Adler
Mañana mañana
Wie oft schon musste ich tagelang warten
auf Handwerksleute im Haus oder Garten
verlässliche Leute scheint es zwar zu geben
doch dies zu sein scheint nicht ihr Bestreben
Jedes Mal schwörst du dir nicht mehr zu fragen
die Uhrzeit wird dir kein Handwerker sagen
so wartest du jeden Tag Stund´ um Stund´
verkniffenes Fragen verbrennt dir den Mund
Der Traum im Süden ein Haus zu bewohnen
wird sich für jeden Handwerker lohnen
die Antwort ist immer mañana - morgen
in Spanien heißt das - mach dir keine Sorgen
© Almut Adler
Mopsfidel
Wie sagte der Komiker Loriot
ohne Mops wird man nicht froh
ein Leben ohne Mops ist möglich
doch irgendwie ist das nicht löblich
Bist du auf den Mops gekommen
fühlt sich dein Leben wie vollkommen
oft denkst du heimlich ohne Mops
gehe ich bestimmt bald hops
© Almut Adler
Baugefühl
Du kannst soviel essen wie du willst
ohne das du dabei auseinander quillst
dein Magen dient als Verwertungszelle
sie wölbt deinen Bauch nach innen als Delle
Mein Magen hingegen scheint immer zu murren
die Wände hochgeht und anfängt zu knurren
dann geht er beleidigt mit mir ins Gericht
mein Bauch belügt mich leider nicht
© Almut Adler
Nervensache
Mein Nervenkostüm war resistent
stark wie ein treuer Begleitassistent
mein Leben war wie ein Nervenkitzel
Abenteuer und Jagd nach dem Schnitzel
Heute liegen meine Nerven oft blank
rein optisch wären sie sicherlich schlank
Sehr oft begleitet mich Nervenflattern
ach könnt´ ich mir nur ein paar neue ergattern!
© Almut Adler
Toxine
Manche Begegnungen wirken wie Gift
Sind Gegenmittel von Leichtigkeit
Energie ist nur noch ein Abwärtslift
Toxine machen sich körperlich breit
Wenn das passiert, laß´ die Menschen fallen
die hinter dem Rücken ihre Fäuste ballen
© Almut Adler
Magie
Mein Kopf ist ein Spielfeld doch weiß ich nie
was im Denkraum passiert ist pure Magie
sie sorgt im Alltag für Kunst und Worte
sie führt mich blind an hübsche Orte
sie sorgt im Wechsel für Freud und Leid
verlässlich leise und immer bereit
© Almut Adler
Der Jakobsweg
Jeder Weg führt irgendwo
hin, doch nie ins Nirgendwo
Demut wird dein Wegbegleiter
Wille treibt dich ständig weiter
jeder Schritt bringt dich voran
Schmerz zieht dich in seinen Bann
jeder Umweg macht dich weiser
im Inneren wird Lautes leiser
erst am Ziel auf Santiagos Grund
besiegst du deinen Schweinehund
© Almut Adler
Mannomann
Warum nur denkt fast jeder Zipfel
er toppt noch haushoch jeden Gipfel?
dabei ist doch Sie das fungierende Ritzel
worüber sich Mann freut wie ein Schnitzel
© Almut Adler
(Ver)Lust
Früher folgte nach jedem Frust
verlässlich meine Körperlust
Im Alter leb´ ich ohne Tage
das erleichtert - ohne Frage
blieb die Lust auch auf der Strecke
tut´s heute ´ne Vanilleschnecke
© Almut Adler
Dement
Hast du eine kleine Meise
schicke sie auf ihre Reise
für einen wilden Höhenflug
bist du flatterhaft genug
Baut ein Vogel im Hirn sein Nest
bete innig dass er´s bald verlässt
denn - begraben unter Vogeldung
stirbt langsam deine Erinnerung
© Almut Adle
Ring frei
Man müßte mich zum Piercing zwingen
zu Nippel-, Nasen- und Lippenringen
mir reichen schon die harten Tage
wenn ich Augenringe trage
© Almut Adler
Auf Rezept *Haben Schmerzen dich ergriffen
darfst du auf Rezept jetzt kiffen
pfeife auf Dragees und Säfte
sie rauben dir nur deine Kräfte
liegst später du mal im Spital
hast du nun die Qual der Wahl
vertraust du weiter dem Pharma-Mopp
oder entscheidet dein eigener Kopp?
© Almut Adler
Temposünderin
Mein Beifahrer sagt - wie 70 fährst du nicht
dabei schaut er mir ängstlich ins Gesicht
Ich fahre durch 30er Zonen mit 50zig
alles andere scheint mir unvernünftig
Ich fahre im Stadtverkehr mit 60zich
obwohl ich weiß ein Blitzer rächt sich
Ich fahre auf Landstraßen 140zich
mein Kurvenfahren verkompliziert sich
Ich fahre auf der Autobahn 220zig
da wird mein Benzin erst gar nicht ranzig
Jetzt fahr ich als Beifahrer ins Carwash rein
dort kann ich auch brausen - nur ohne Schein
© Almut Adler
Dolce Rita.
Es lebte in Rom die Deutsche Rita
sie führte ein Leben La Dolce Vita
Zur Arbeit gehen schmeckte Rita nie
Doch war sie ein geborenes Zahlengenie
Gekonnt jongliert sie mit Index und Dax
an der Börse traf Rita den großen Max
auch er war Meister der schwankenden Zahlen
und wie Rita Kandidat für die nächsten Wahlen
Wär es doch nur etwas anders gewesen
Max konnte Ritas Geburtstsdatum lesen
Ihr Ablaufdatum war längst überschritten
und Max stand gar nicht auf Hängetitten
Haushoch wurde Rita zur Präsidentin gewählt
von nun an für Max Rita gar nicht mehr zählt
er sehnte sich leidend nach besseren Tagen
wo Mann das Wort hat statt Frau das Sagen
Rita konnte zahlreich mit Wählern prahlen
wie passend, sie hat ja den Sinn für Zahlen
doch Ritas Partei fuhr die rechte Tour
Max nannte sie künftig die linke Hur
So läuft es meistens in jeder Partei
wer die Mehrheit hat, dem ist’s einerlei
lukrativ wird der Kurs nun angesteuert
soziale Denker werden einfach gefeuert
© Almut Adler
Nattern
Es gibt eine Schlange die nennt sich Warten
die sucht ihresgleichen unter Reptilienarten
die harmlose Art aus der Spezies Nattern
ohne Giftzähne zwar doch viel am schnattern
man muss sich gedulden, oft ziemlich lange
im Volksmund nennt man sie Warteschlange
© Almut Adler
Online Dating
Eine Frau sucht ihr Glück im Internet
und findet einen Post besonders nett
Als die Antwort kam balzte sie zurück
und wähnte ihr Leben in neuem Glück
Verliebt reist sie in den Süden Europas
an die Rentnerküste der Omas und Opas
Hier leben die glücklichen Pensionisten
und die ausgestiegenen Optimisten
Ihr Onlineglück hat sie niemals getroffen
besagte Person schrieb den Grund sehr offen
"Kann nicht reisen, hab´ finanzielle Probleme
aus Gründen familiärer Krankheits-Gene“
Man bat das Problem mit Geld zu beheben
um dann gemeinsam im Glück zu schweben
Vermögen verschickt die Liebe verschwunden
die Senderin leckt sich verletzt ihre Wunden
Drum merke - fall´ nie auf Worte herein
wahre Liebe muss zum anfassen sein
© Almut Adler
Silicon Elli
Ostfriesin Elli von der Nordseeküste
hatte von allen die schönsten Brüste
sie liebte die Jungs vom Wattenmeer
die gaben ihr alles was sie hatten her
Doch Elli liebte den Jan aus der Stadt
im Glauben das er etwas Besseres hat
sie präpariert ihren Körper mit Silicon
Jan sagte dazu keinen einzigen Ton
Sie spritzt sich mit Botox Schlauchbootlippen
läßt sich dünner machen mit weniger Rippen
doch keiner der Jungs von der Waterkant
hat die Silicon-Elli so wieder erkannt
Heute lebt Elli in der Küstenstadt Emden
und bügelt frustriert ihrem Kerl die Hemden
das ist die Moral von meinem Gedicht
man pfuscht in Gottes Handwerk nicht
© Almut Adler
Glatze statt Haar
In China nahm mich der Führer Minyung
mit, auf seine Extrem-Wanderung
Forsch durchquerte er vor mir den Sumpf
trat in ein Loch und versank bis zum Rumpf
Schnell sackte er tiefer bis über das Ohr
der Pfütze entpuppt sich leider als Moor
Rasch griff ich zu und suchte den Zopf
zum Unglück war er geschoren sein Kopf
Sogar beim Wandern lauert Ertrinkungsgefahr
trägt man zur falschen Zeit Glatze statt Haar
© Almut Adler
Mein alter Drahtesel
Mein Fahrrad und ich sind sichtlich versumpft
seine Reifen sind platt, mein Körper geschrumpft
Seine Felgen verbogen, meine Knochen die alten
seine Speichen gebrochen, meine Nägel gespalten
Seine Luft ist raus, mein Atem auf Trab
seine Farbe ist Rost, mein Lack ist ab
Seine Klingel verklemmt, mein Lautes verstummt
sein Lenker verbogen, meine Kurven vermummt
Sein Schutzblech verkratzt, meine Optik in Falten
seine Bremse versagt, meine Meinung verhalten
Sein Sattel verdreht, meine Haltung verkommen
seine Kette gerissen, mein Zenit ist erklommen
Ich trete jetzt kürzer denn das macht Sinnm
ein Drahtesel denkt nun sicher ich spinn´
Mein Fahrrad ist jünger doch leider nicht fit
vergleich ich uns beide so sind wir jetzt quitt
Ich will meinen Drahtesel nicht mehr treten
darum hab ich beim Neukauf extra gebeten
Jahrzehntelang war er mein Untertan
doch seitdem komm` ich alleine voran
Mein Drahtesel galoppiert nun Akku bestückt
halt´ ich zügellos den Gasknopf gedrückt
Doch ehrlich gesagt aus meiner Sicht
ist dieser E–Esel ein rasender Wicht
© Almut Adler
Traumhaft
Müde wandle ich in mein Schlafgemach
wo schon so mancher Traum zerbrach
dort bette ich meinen Kopf aufs Kissen
damit sich dunkle Gedanken verpissen
Muss gar nicht lange Schäfchen zählen
auch nicht den Körper mit Pillen quälen
denn liege ich erst auf dem kühlen Laken
hat mich der Schlaf schon bald am Haken
© Almut Adler
Machtspiel
Der Teufel spricht mit Engelszungen
ihm ist dadurch schon viel gelungen,
verbal kann er dich schnell beflügeln
doch hebst du ab will er dich zügeln
Drum rate ich jedem und ist er auch alt
sei achtsam bei Menschen in Engelsgestalt
© Almut Adler
Jemand Netter
Ich behaupte hier ernsthaft mit Recht und Fug
irgendjemand beschützt mich vor Lug und Trug
Ich werde beschützt vor Gift und Galle
irgendjemand beschützt mich vor Klauen und Kralle
Ich werde beschützt vor Schein und Sein
irgendjemand beschützt mich vor Hinz und Kain
Ich werde beschützt vor Feuer und Wasser
irgendjemand beschützt mich vor Neidern und Hasser
Ich werde beschützt vor Wind und Wetter
wer es auch sein mag - es scheint jemand Netter
© Almut Adler
Rindviecher
Manchmal hab´ ich den richtigen Riecher
wenn Menschen mir missgünstig alles neiden
dann bezeichne ich sie als Zweibeinviecher
und lass diese Ochsen woanders weiden
Manchmal jedoch lieg ich völlig daneben
und denke du Rindviech lern endlich dazu
wenn Menschen versuchen mir alles zu geben
dann bin ich betroffen - als saublöde Kuh
© Almut Adler
Immer weiter
Jedes Jahr zur gleichen Zeit
macht Alter sich in Zahlen breit
und schließlich, eh man sich versieht
steht eine Zahl hoch im Zenit
mit fünfzig erklingt die Musik der Jugend
und schnell vergisst du die Alterstugend
das Herz schlägt plötzlich wie mit dreißich
doch dein Hirn sagt - ach Gott ich weiß nich
warst du mit sechzig noch Herrin der Lüfte
fühlst du mit siebzig dann Knie und Hüfte
bedächtig der Gang, doch du machst dich
gereifter auf dem Weg hin zu achzich
noch weiter gealtert doch innerlich Kind
fühlst du wie schnell Zeit im Fluge verrinnt
dein Schlafbedürfnis dich nicht verwundert
erst wenn du aufwachst - mit plötzlich hundert
© Almut Adler
Wegbeschreibung
Geht die Strasse nicht mehr weiter
mündet sie in einen Weg
dieser führt zu einer Leiter
über einen Bach als Steg
Ist die Leiter schon verrottet
trägt sie deine Last nicht mehr
wenn dein Inneres nun spottet
setze sprunghaft dich zur Wehr
Drüben bist du nicht gestrandet
sondern fühlst dich wie ein King
selbstbewußt am Ziel gelandet
machst du fortan nun dein Ding
© Almut Adler
Kariere einer Zwiebel
Einer flotten Berliner Charlotte
entledigt man ihrer Schale
so liegt sie ganz ohne Klamotte
in einem kochenden Saale
Kunstvoll in Stücke geschnitten
präsentiert man sie auf dem Tisch
halb auf dem Teller mit Fritten
halb auf dem Rücken des Fisch
© Almut Adler
Vehikel
Auf der Fahrt zu dir nach innen
steuerst du jeden Rastplatz an
weil dein Vehikel voll mit Sinnen
keine Spur mehr halten kann
© Almut Adler
Verhaftet
Wen die Energie verließder
sitzt im Energieverlies
© Almut Adler
Mantras
Du wirst in deiner Wortgewalt
nicht unbedingt zur Lichtgestalt
anstatt auf Widerhall zu hören
kann ein Wortschwall viel zerstören
lass' deine Sätze lieber schwingen
so könnten sie wie Mantras klingen
© Almut Adler
Wesenszüge
Die Bösen werden Kerbholz schnitzen
die Dreisten in der Patsche sitzen
die Dummen einen Prellbock schießen
die Prüden ihren Freiraum schließen
die Forschen Plaudertaschen speisen
die Weisen nur in Wesenszügen reisen
© Almut Adler
Zwischenlandung
Wenn deine Augen nicht mehr strahlen
meine Küsse bei dir ins Leere gehen
dein Lächeln eher wirkt wie Prahlen
meine Blicke in zweiter Reihe stehen
deine Zunge zögernd das Weite sucht
mein Körper seelenlos an deinem strandet
dann spür' ich du hast den Abflug gebucht
dein Herz ist bei mir nur zwischengelandet
© Almut Adler
Energie-Vampire
Sie können an dir ihre Zungen schärfen
und zerren spürbar an deinen Nerven
sie haben Haare auf den Zähnen
und spritzen Gift in deine Venen
sie können dir nie in die Augen schau`n
und brechen jeden Streit vom Zaun
sie gehen dir schmeichelnd an die Kehle
und greifen dabei nach deiner Seele
sie kommen mitleidig auf Krücken
und fallen dir feige in den Rücken
sie stehlen Vertrauen wie auf der Bank
und spielen Theater als seien sie krank
sie stoßen dir Messer zwischen die Rippen
und lecken Speichel von deinen Lippen
sie gieren nach deiner Schöpfungskraft
und zapfen an deinem Lebenssaft
sie saugen dein Blut bis auf den Grund
und wischen sich schadenfroh den Mund
© Almut Adler
Ohne Dich
Ohne Dich läuft mein Leben nicht rund
ohne Dich fehlt mir ein küssender Mund
ohne Dich fällt mir die Freude schwer
ohne Dich klingt auch mein Lachen leer
ohne Dich scheinen die Nächte schwarz
ohne Dich fließt mein Rhythmus wie Harz
ohne Dich schmeckt mir kein gutes Essen
ohne Dich kann ich nur Junk Food fressen
ohne Dich mache ich freudlose Sachen
ohne Dich kann ich nicht über mich lachen
ohne Dich sind meine Sonntage grau
ohne Dich bin ich die Halbtagsfrau
ohne Dich ist unser Freundeskreis eckig
ohne Dich geht es mir richtig dreckig
© Almut Adler
Gepunktet
Ratlos schaut der Mediziner
auf den weißen Dalmatiner
denn der wurde immer blasser
drum verschrieb er Fleckenwasser
© Almut Adler
Launen-Haft
Deine ewig miesen Launen
wurzeln nervig wie Alraunen
durch mein verzweigtes Hirngeflecht
in dem du rumhackst wie ein Specht
Zum Schöpfen liebenswerter Kraft
verordne ich dir Launen-Hafterst
wenn die Phase abgesessen
hab' ich dich wieder gern zum fressen
© Almut Adler
Kummerfalten
Frisst du Kummer in dich rein
kannst du dein Gewicht zwar halten
eines wiegt jedoch gemein
deine Kummerfalten
© Almut Adler
Nicht mehr arbeitslos
Kürzertreten und Kontomiese
sind Wortgespenster der Arbeitskrise
Schluß ist nun mit dem Verdruss
denn Arbeit gibts im Überfluss
künftig haben meine Hände
schwer zu tun bis Monatsende
rackern kann ich selbst zuhaus`
und es zahlt sich sichtlich aus
denn ab jetzt bin ich so schlau
und arbeite am Körperbau
© Almut Adler
Lebensläufe
Wie ein Fluß der fließt seit Jahren
so fließend wird der Mensch erfahren
läßt man Wasser seinen Lauf
wird der Strom zum Lebenslauf
Ein schneller Fluß kommt oft zu Fall
ein stiller Bach fließt überall
er wird sich leise plätschernd winden
um fließend seinen Weg zu finden
Verströmt ein Fluß sich kalt wie Eis
dann zahlt er dafür seinen Preis
der Mensch wird seine Ufer meiden
sich an warmen Strömen weiden
Fließt der Mensch wie ein Kanal
so wird es schließlich ganz fatal
eingezwängt ins starre Bett
fließt er zwar - doch im Korsett
© Almut Adler
Vergessen zu sagen
Ich sagte daß ich dich vermisse
Ich sagte du hast das Gewisse
Ich sagte daß ich deinen Charakter mag
Ich sagte was in deinen Augen lag
Ich sagte daß ich dich verehre
Ich sagte daß ich dich begehre
Erst als dich jemand anders begehrte
dich unwiderstehlich neu verehrte
schwärmte was in deinen Augen lag
warum er deinen Charakter mag
sagte du hast das Gewisse
und dich sehnlichst auch vermisse
von da an schmerzte ein Gedanke mich
ich vergaß dir zu sagen ich liebe dich
© Almut Adler
Auf den Hund gekommen
Hört ein Mensch nur auf and're
schimpft man ihn dummer Hund
aber hört er nur auf sich selber
nennt man ihn menschlich gesund
Hört ein Hund auf einen Mensch
nimmt man ihm gar nichts krumm
doch hört er nur auf sich selber
schimpft man ihn tierisch dumm
Hörte ein Mensch auf seinen Hund
dann wäre das eine Tortur
er gäbe trotzig sein Pfötchen nicht
denn ein Zweibeiner hasst die Dressur
© Almut Adler
Wörterschlacht
Sie haben Phrasen auf mich eingedroschen
um sie auszutreten wie alte Galoschen
Sie sind mir einfach ins Wort gefallen
um mich sprechbetrunken vollzulallen
Sie haben mich satzweise niedergewalzt
mich zugesülzt und vollgeschmalzt
Sie sind mir über den Mund gefahren
mich niedergeschmettert mit Wortfanfaren
Geflügelte Worte waren auch nicht genug
sie suchten rhetorisch den Überflug
Stumm habe ich mich vom Acker gemacht
und überlebte mundtot die Wörterschlacht
© Almut Adler
Trüffel-Rüffel
Erfand ich Trüffel
um saukomisch zu sein
erfuhr ich Rüffelals Ego-Schwein
© Almut Adler
Ghostwriter (1997)
Gespenster sind nicht immer leise
jedes spukt auf seine Weise
Ringelnatz und Eugen Roth
sind in Wahrheit gar nicht tot
Dichter wie Roth und Ringelnatz
haben auch heute noch ihren Platz
sie geistern in meinem Kopf herum
nehmen mir schlechte Reime krumm
Heimlich führen sie meine Feder
kritisch gehen sie mir an's Leder
gespenstisch zitieren sie mir Befehle
damit ich die richtigen Worte wähle
Ich atme so flach im Jetzt und Hier
mein Körper ist leicht wie ein Blatt Papier
mir entwachsen Reime in seltsamer Weis
eauf geheimen Pfaden einer mystischen Reise
Eugen lächelt und nickt mir noch einmal zu
er setzt Punkt und Komma - dann ist Ruh'
beim Blick in den Spiegel hab' ich meine Not
mein Haar ist geringelt, natz und sehr roth
© Almut Adler
Krankhaft
Ein Mensch der nur über Krankheit spricht
geht ungerne mit sich selbst ins Gericht
Aus Angst vor bitterer Urteilsverkündung
wählt er lieber die Magenentzündung
Im Kosmos seiner Krankheitspsychosen
wachsen ihm Launen und Angstneurosen
In Selbstdiagnosen mit Galgenhumor
mutiert der Kopfschmerz zum Hirntumor
Der nächtlich zuckende Wadenkrampf
wird übersteigert zum Lebenskampf
In hypochondrischem Selbstmitleid
näht er fleißig an seinem Totenkleid
Sieht ein Mensch krankhaft jeden Tag rot
wacht er mal auf und ist wirklich tot
© Almut Adler
Tischsitten
Menschen von besonderem Schlag
begegnen uns beinahe jeden Tags
olche die falsch ihre Zähne blecken
die anderen ergeben die Stiefel lecken
die lügen daß sich die Balken verrenken
die freundlich giftigen Wein ausschenken
die sich gerne an gemachte Tafeln setzen
und unter dem Tisch das Messer wetzen
Menschen von einem anderen Schlag
begegnen uns leider nicht jeden Tag
solche die ein ehrliches Lächeln aufsetzen
die sich gerne für dich die Schuhe abwetzen
die deine Bretter vom Kopf entfernen
die dir reinen Wein einschenken lernen
die fair mit den Händen auf Tische knallen
und nicht wütend darunter die Fäuste ballen
© Almut Adler
Warum-wieso-weshalb
Warum habe ich Mut nur in meinem Namen?
Wieso hänge ich Wut nicht in einen Rahmen?
Weshalb zum Teufel quäle ich mich
anstatt zu sagen ich liebe dich nicht!
© Almut Adler
Meine globale Liebeserklärung
Ich würde für dich die Wüste bepflanzen
oder eiskalt mit dir auf den Polkappen tanzen
ich täte für dich das Ozonloch stopfen
und würde dir jeden Ölteppich klopfen
ich möchte für dich die Sahelzone fegen
und dir als Strand vor die Füße legen
ich kaufe dir jede Windhose gern
und halte dir alle Stürme fern
ich ließe für dich Schokolade verklappen
sodaß Umweltschützer im Dunkeln tappen
ich könnte im Himalya Yeti entdecken
und mit ihm für dich Touristen erschrecken
ich möchte dir Wärme im Iglu spenden
und täte dir nie eine Stromrechnung senden
ich würde dir Gospels mit Moslems singen
oder göttlich mit Allah mein Tanzbein schwingen
ich möchte dir sauren Regen versüßen
und dich dann aus Rio mit Zuckerhut grüßen
doch am liebsten würd' ich den Urknall lenken
um dir dann den Garten Eden zu schenken
© Almut Adler
Entronnen
Du hast mich wahnsinnig tief verletzt
mir innerlich meine Seele zerfetzt
Du hast mir Stacheln ins Fleisch getrieben
mir meine Nerven wie Pulver zerrieben
Du hast auch meine Geduld verpraßt
mir tief in klaffende Wunden gefaßt
Du hast mir das Blut aus den Adern gesogen
mich damit um manchen Pulsschlag betrogen
Du hast schließlich auch mein Herz zerstückelt
doch das hat mich schlagartig wach gerüttelt
Ich bin als lebender Leichnam entkommen
und habe mir mutig das Leben genommen
© Almut Adler
So in den Sinn gekommen
Was ich so aus den Augen verliere
sind nicht ausnahmslos Tränen
was mir über die Lippen kommt
ist nur zuweilen ein Gähnen
Was dir häufig zu Ohren kommt
sind nicht stets Schmeicheleien
was dich oft am Arsche leckt
sind selten nur Sauereien
Was uns unter den Nägeln brennt
ist manchmal das Wunderbare
was dir mitunter zu Berge steht
sind nicht immer nur Haare
© Almut Adler
Schnupperkurs
Deiner Nasenspitze sah ich an
daß ich dich gut riechen kann
Selbst wenn du mir mal stinken solltest
dann wittere ich etwas Ungewolltes
© Almut Adler
Mit Leichtigkeit
Ich befürchtete dein Verlust tue weh
doch muß ich mir ehrlich gestehen
ich fühle mich frei bis zum großen Zeh
und kann wieder leichtfüßig gehen
© Almut Adler
Seelenverwandt.
Unter all` den Kieselsteinen
fand ich einen Diamanten
ich wusste nicht als ich Dich traf
dass sich unsere Seelen kannten
Gleichklang ohne festen Rhythmus ist unsere Seelenmelodie
wenn du dazu tanzen kannst hüpft mein Herz vor Euphorie
© Almut Adler